LANDESWEITE QUALITÄTSKONFERENZ 2019

Am Mittwochnachmittag, den 04. Dezember 2019, begrüßte das Krebsregister Rheinland-Pfalz knapp 100 Teilnehmende zur mittlerweile dritten Landesweiten Qualitätskonferenz. Neben Ärzten und Ärztinnen der stationären und ambulanten onkologischen Versorgung nahmen auch Mitglieder des Aufsichtsrates und des Expertenbeirats des Krebsregisters an der Veranstaltung teil. Anders als in den vergangenen Jahren fand die diesjährige Landesweite Qualitätskonferenz in den Räumlichkeiten der Kupferberg Terrassen in Mainz statt.

Auch in diesem Jahr konnte das Krebsregister RLP wieder Expertinnen und Experten aus dem klinischen Alltag für Fachvorträge zu den Tumorentitäten Mamma, Prostata und Magen gewinnen. Ergänzt wurden ihre Präsentationen um klinische Auswertungen des Krebsregisters RLP.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte die Geschäftsführerin des Krebsregisters RLP, Antje Swietlik, die Anwesenden. In einem kurzen Abriss zeigte sie die Entwicklung des Krebsregisters RLP hin zu einem Institut für digitale onkologische Datenverarbeitung auf. Maschinelles Lernen und der Einsatz von neuronalen Netzwerken ergänzen die alltägliche Arbeit des Krebsregisters RLP und gewährleisten somit eine zeitgemäße digitale Infrastruktur.

Daran anknüpfend zog Dr. med Klaus Jahn, Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Krebsregisters, seine Bilanz: Als erstes Krebsregister bundesweit konnte Rheinland-Pfalz alle 43 Förderkriterien des GKV-Spitzenverbandes erfüllen, sodass die Umbauphase hin zu einem klinischen Krebsregister erfolgreich abgeschlossen wurde.

Im Anschluss an das Grußwort startete der fachthemenbezogene Teil der Veranstaltung. In einführenden Kurzvorträgen durch Dr. med. Sylke Zeißig und PD Dr. rer. nat. Christina Justenhoven vom Krebsregister RLP, wurden Datenauswertungen im Zeitraum vom 01.01.2016 bis 15.10.2019 zu den jeweiligen Tumorentitäten vorgestellt. Neben Informationen über Patientenströme erhielten die Gäste einen Überblick über Meldungszahlen zur jeweiligen Entität in gesamt Rheinland-Pfalz sowie anschauliche Übersichten zu Lokalisationen des jeweiligen Tumors und Therapieverläufen.

PD Dr. med. Dr. med. habil. Christian Mönch, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Westpfalz-Klinikum GmbH, befasste sich im ersten Fachvortrag des Nachmittags mit den „Herausforderungen der multimodalen Therapie beim Magenkarzinom am zertifizierten Zentrum“. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Voraussetzungen für zertifizierte Zentren, widmete sich PD Dr. Dr. Mönch den Behandlungsmöglichkeiten nach einer Magen‑
karzinomdiagnose. Mit anschaulichem Bildmaterial referierte PD Dr. Dr. Mönch über die weitreichenden Verfahren in der Behandlung von betroffenen Patienten. Neben der Entfernung von befallenem Gewebe zeigte er auch die Möglichkeiten der rekonstruktiven Chirurgie, am Beispiel einer Ösophagektomie mit anschließender Rekonstruktion, auf. Weiterhin stellte PD Dr. Dr. Mönch mit dem DaVinci® Xi Multiport-System eine der modernsten robotor-gestützten Operationsmethoden vor, die aktuell schon im Westpfalz-Klinikum genutzt wird. Das Operationsgebiet kann bei dieser Methode über kleine Schnitte erreicht werden, und bietet so gegenüber herkömmlichen Operationsschnitten viele Vorteile für den Patienten und den Operateur selbst. Neben der beschleunigten Heilung des Patienten durch eine kleine Wundfläche, können die Schmerzen minimiert und die Mobilität oft früher wiederhergestellt werden. Auch der Operateur profitiert durch eine angenehme Körperhaltung und eine äußerst präzise Steuerung der Operationsinstrumente während der Operation. Zum Abschluss des Vortrages stellte Herr Dr. Dr.  Mönch nochmals die essenziell wichtige Zusammenarbeit der Magenkarzinom-Zentren mit dem Krebsregister RLP in den Fokus. Gleichzeitig verwies er aber auch auf die Profitabilität des Datenaustausches nicht nur für Ärzte und Zentren, sondern auch für den Patienten selbst.

Nach einer Kaffeepause präsentierte Frau PD Dr. Justenhoven mit einem Kurzvortrag den Start in den nächsten Themenblock „Mammakarzinom“. Im Anschluss daran hielt Frau Dr. med. Dietlind Henk, Oberärztin an der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied, ihren Fachvortrag. Das Thema behandelte „Besondere Patientinnen mit familiärem Mamma- und Ovarialkarzinom“. Zu Beginn machte Frau Dr. Henk deutlich, dass Brustkrebs als häufigste Krebserkrankung bei Frauen diagnostiziert wird. Sie erläuterte, dass mit einem Risiko von 12% Frauen bis zum 70. Lebensjahr an dieser Krebsart erkranken. Mit einer übersichtlichen Grafik führte Frau Dr. Henk die Kriterien für eine genetische Vorbelastung in der Familienanamnese von Patienten aus und stellte anschließend das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs vor. Die Arbeit des Konsortiums erstreckt sich neben der Forschung, Beratung, Betreuung und Entwicklung von Versorgungskonzepten für Patienten aus Hochrisikofamilien auch auf Durchführungen von Risikokalkulationen, Genanalysen und präventiven Maßnahmen. Frau Dr. Henk referierte in diesem Zusammenhang auch über die Hochrisiko-Gene BRCA1 und BRCA2, die zusammen für 25% aller erblich bedingten Krebserkrankungen verantwortlich sind. Anhand einer Fallvorstellung einer jungen Patientin mit Brust- und Eierstockkrebs machte sie ihre Ausführungen nochmals deutlich und verwies auf die Dringlichkeit der Datenerhebungen durch alle Versorgungsbeteiligten sowie der Krebsregister, unter der Vorgabe des Krebsfrüherkennungs- und Registergesetzes. In diesem Zusammenhang erläuterte Frau Dr. Henk aber auch die Wichtigkeit der Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Daten, durch Leistungserbringer, Öffentlichkeit und Gesundheitspolitik, die schon heute durch das Krebsregister RLP gegeben sind.

Den abschließenden fachbezogenen Themenblock leitete Frau Dr. Zeißig ein und übergab das Rednerpult an Herrn Prof. Dr. med. Hans-Ulrich Schmelz. Als Oberstarzt und Direktor der Klinik für Urologie des Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz referierte Prof. Dr. Schmelz über „Aktuelles zum Prostatakarzinom“ und wies zu Beginn des Vortrages auf die gesetzliche Verpflichtung von Meldungen an das Krebsregister hin und betonte die Wichtigkeit der Datenerhebungen durch das Krebsregister. Im weiteren Verlauf des Vortrages zeigte Prof. Dr. Schmelz die unterschiedlichen Meldeanlässe während des Krankheitsverlaufes eines Prostatakrebspatienten auf. Prof. Dr. Schmelz führte aus, dass dem Landeskrebsregistergesetz entsprechend Meldungen an das Krebsregister nicht nur bei der Erstdiagnose einer Krebserkrankung erfolgen muss, sondern auch Veränderungen im Krankheitsverlauf einer Meldung bedürfen. Zum Abschluss plädierte Prof. Dr. Schmelz für eine Erweiterung des LKRG verwies auf die Wichtigkeit der Meldungen an das Krebsregister.

Die Fachvorträge als auch die Analysen des Krebsregisters RLP regten das Fachpublikum zum interdisziplinären Austausch und zu Diskussionen an, die den Stellenwert der Arbeit des Krebsregisters RLP für die onkologische Qualitätssicherung verdeutlichten. Mit Hilfe der Arbeit der klinischen Krebsregister können wertvolle Daten gewonnen werden, die nicht nur gewinnbringend für den klinischen Alltag sind, sondern auch die Planung der onkologischen Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz maßgeblich mitgestalten. Dieser Verantwortung bewusst, betont Antje Swietlik die Wichtigkeit jeder einzelnen Meldung nicht nur aus der stationären, sondern auch aus der ambulanten onkologischen Versorgung. Einzig klinische Krebsregister sind in der Lage die Inter- und Multidisziplinarität der onkologischen Versorgung zu erfassen und auszuwerten.